„Lieber aktiv dabei als voll daneben"

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und in Münster wird immer noch gern Karneval gefeiert. Warum meint der Bürgerausschuss Münsterscher Karneval (BMK), insbesondere Kinder und Jugendliche sollten verstärkt an diese alte Kulturtradition herangeführt werden?

Es gilt, jahrtausendealte Praktiken in die Zukunft hinüberzuretten: So wie in der Antike bei religiösen Festen eine „verkehrte Welt“ zugelassen war (beispielsweise wurden die Sklaven in Rom während der Saturnalien für einen Tag zu Herren über ihre Besitzer), so verkehrt ja auch der Karneval die Stellung des Bürgers gegenüber der Obrigkeit in ihr Gegenteil. Und in Westfalen galt der beißende Spott gerade der preußisch-militärisch duckmäuserisch-überheblichen Grundhaltung.

Der BMK nun will breitere Kreise der Bevölkerung in dieses Treiben einbinden. Dies soll den Menschen ermöglicht werden, ohne dass sie dazu unbedingt Mitglied einer Karnevalsgesellschaft sein müssen. Zweierlei Ansätze wollen wir verfolgen:

- Mehr freie Gruppen sollen – insbesondere als Fußgruppen – den Rosenmontagszug bereichern. Hier sind uns unsere Stadtteile gehörig voraus; in Sprakel und in Wolbeck z.B. ist der Anteil mitlaufender Gruppen deutlich höher als in Münster, wasein bunteres und zugleich harmonischeres Gesamtbild schafft. Der BMK ist überzeugt, dass sich Fußgruppen problemlos eingliedern lassen und dass als einzige Voraussetzung Kreativität bei der Umsetzung eines Themas gefragt ist. Unvergessen sind beispielsweise die wunderschönen Petra-Schwäninnen aus Sprakel, die beim letztjährigen Umzug geglänzt haben. Und der finanzielle Aufwand für die Fußgruppen ist eher klein. Weil Kinder und Jugendliche sich besonders gern verkleiden, werden wir Kindergärten und Schulen in einer Briefaktion anregen, am 04.02.2008 beim Rosenmontagszug mitzumachen. Und mit dieser Pressemeldung hoffen wir, auch die weiteren Vereine und Gruppierungen in Münster zu motivieren, sich am Rosenmontagszug zu beteiligen.

- Für die Anmeldung werden lediglich das Motto, unter dem die Gruppe antreten möchte, und ihre Teilnehmerzahl benötigt. An Themen mangelt es nicht: von regionalen Ereignissen wie Skulpturenprojekte 2007, Bäderschließung und Musikhalle über Aspekte der Schul-, Sozial- oder Weltpolitik bis hin zu fiktiven Vorlagen wie „Fluch der Karibik“,„Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ oder auch Comics wie „Asterix und Obelix“.

Von den drei wichtigsten karnevalistischen Ausdrucksformen Wort, Gesang und Tanz ist es in Münster der Tanz, für den die breiteste und intensivste Jugendarbeit geleistet wird. Was Wortbeiträge und Gesang angeht, wird deutlich weniger getan. Um gegen dieses Missverhältnis anzugehen, schreibt der Bürgerausschuss Münsterscher Karneval in den Sparten „Musik“ und „Comedy/ Bütt/ Mummenschanz“ im nächsten Jahr für die Session 2008/09 erstmals einen Jugendförderpreis aus. Da Comedy-Sendungen im Fernsehen, die mit der karnevalistischen Bütt so manches gemein haben, bei jugendlichen Zuschauern gut ankommen, sollte sich in Münster doch sicher etwas bewegen lassen. Gleiches gilt auch für den Bereich Musik: In der Karnevalshochburg Köln z. B. ermöglicht der Karneval einer Reihe von Einzelmusikern und Gruppen ein ganzjähriges Einkommen.

Wenn es uns gelingt, Münsters Jugend mit diesen zusätzlichen Aktivitäten die Kulturtradition Karneval näherzubringen, wird nicht nur das gemeinsame Feiern schöner und bunter, sondern auch die Akzeptanz des Karnevals in der öffentlichen Wahrnehmung erhöht. In Anlehnung an das Jugendamtes mit seinem Spruch „Voll ist out“ haben wir für die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen am Karneval das Motto kreiert „Lieber aktiv dabei als voll daneben“.

Wir sind davon überzeugt, dass dem Münsterschen Karneval eine breitere Grundlage auch und besonders in Hinblick auf den Straßenkarneval sehr gut zu Gesicht steht.